Oscar-Kandidat öffnet sich im Interview

Offenbarung von Guy Pearce über "L.A. Confidential": "Kevin Spacey hatte es auf mich abgesehen"

Aktualisiert:

von Annalena Graudenz
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Guy Pearce spricht jetzt offen über ein sensibles Thema seiner Vergangenheit.

Bild: IMAGO/Avalon.red


Gerade erst machte der Schauspieler positive Schlagzeilen mit seiner Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller in "Der Brutalist". Nun spricht er offen über ein sehr viel ernsteres Thema seiner Vergangenheit, was mit der #MeToo-Bewegung zu tun hat.

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Sein ehrliches Interview

Kurz vor der Oscar-Verleihung sollte Guy Pearce eigentlich nach Feiern zumute sein - immerhin ist er mit dem Oscar-Favoriten "The Brutalist" zum ersten Mal für den wichtigsten Filmpreis der Branche nominiert. Doch gerade hat er sich in einem Podcast-Interview mit dem leitenden Award-Redakteur der Fachzeitschrift "The Hollywood Reporter" sehr ehrlich über vergangene Erfahrungen an Film-Sets geäußert, die nicht immer positiv waren.


Guy Pearce in "L.A. Confidential"


Guy Pearce über seine Erfahrungen mit Kevin Spacey

Er wirkt nachdenklich und emotional, als er sich an die Zusammenarbeit mit Kevin Spacey für Curtis Hansons Filmklassiker "L.A. Confidential" erinnert. Die beiden standen 1997 gemeinsam vor der Kamera. Doch erst fast zwanzig Jahre später spricht Guy Pearce ganz offen über seine Erfahrungen mit Kevin Spacey, der in den letzten Jahren immer wieder wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt wurde und seine einst glanzvolle Hollywood-Karriere beenden musste.

Als im Oktober 2017 die #MeToo-Debatte Hollywood auf den Kopf stellt, meldet sich damals unter anderem der Schauspieler Anthony Rapp mit der Behauptung, Spacey habe ihm 1986, als er 14 Jahre alt war, auf einer Party in New York sexuelle Avancen gemacht. Es folgte eine ganze Welle von Anschuldigungen. "Ich war in London und arbeitete an etwas, und als ich (die Berichte) hörte, brach ich in Tränen aus und konnte nicht mehr aufhören. Ich glaube, mir wurde wirklich klar, welche Auswirkungen das hatte, und ich hatte es irgendwie verdrängt. Das war ein wirklich unglaublicher Weckruf", erinnert sich Pearce, hörbar berührt.

Er bezeichnet sich selbst nur ungern als "Opfer", "obwohl ich wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad ein Opfer war; ich war keineswegs ein Opfer in dem Ausmaß, wie andere Menschen Opfer von Sexualstraftätern geworden sind." Aber Angst hatte er trotzdem vor dem Schauspieler. Kevin Spacey sei ein "ziemlich aggressiver Mann" gewesen. "Er ist äußerst charmant und brillant in dem, was er tut - wirklich beeindruckend. [...] Er hat eine bemerkenswerte Präsenz in einem Raum. Aber ich war jung und anfällig, und er hatte es auf mich abgesehen, keine Frage", erinnert sich Guy Pearce.

Guy Pearce in "Der Brutalist"

Guy Pearce kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken, die ihm zahlreiche Nominierungen für seine verschiedenen Rollen einbrachte. Nun könnte seine bislang wichtigste Rolle ihn vielleicht sogar zu seinem ersten Oscar führen. Insgesamt ist "Der Brutalist" ganze zehnmal für einen Oscar nominiert und konnte auch schon bei den Golden Globes und BAFTAs überzeugen.

Pearce spielt die Rolle des Harrison Lee Van Buren Sr., eines wohlhabenden amerikanischen Industriellen, der seinen Wohlstand und seine Macht nur zu gerne demonstriert. Ob Pearce den Preis als bester Nebendarsteller erhält, wird sich am 3. März zeigen.


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